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Der Informationszentrierte Ansatz bezeichnet einen Ansatz für den Informatikunterricht, der 1996 von Peter Hubwieser und Mafred Broy entwickelt wurde.

Entstehung und Grundidee

Die Autoren bemängeln, dass im Informatikunterricht bis dahin viel Zeit für das Erlernen bestimmter Programmiersprachen (mit allen ihren Eigenheiten) aufgewandt wurde oder das Entwickeln von bestimmten Algorithmen und nicht auf übergeordnete Modellierungstechniken eingegangen wurde, welche unabhängig von der einzelnen Sprache sind. Diese Modellierungstechniken, vor allem jene graphischer Natur, sollen ihrer Meinung nach vermehrt im Unterricht behandelt werden und der Rechner in erster Linie zur Veranschaulichung dieser Modelle benutzt werden. Auch die Strukturierung von Informationen ist eine Grundidee dieses Ansatz und unterstreicht zusätzlich seinen allgemeinbildenden Anspruch.

Grundsätze

Im Mittelpunkt des Informationszentrierten Ansatz steht das "Verständnis für Beschaffungswege, Auswahlkriterien, Strukturierungsmethoden, Verarbeitungstechniken und Darstellungsformen des Werkstoffes 'Information'" (S.6). Die Ausarbeitung und Umsetzung von Algorithmen soll nicht der bestimmende Inhalt des Unterrichts sein. Das Vorgehen im Unterricht soll sich dabei an Software-Entwicklungsmethoden orientieren und somit auch vorwiegend in Projekten stattfinden. Da Objektorientierung sich gut strukturieren lässt, soll sie die vorwiegende Programmiertechnik im Informatikunterricht nach dem Infromationszentrierten Ansatz sein.

Um Informationen zu strukturieren schlagen Hubwieser und Broy Diagramme vor, die große Ähnlichkeit zu den heutigen UML-Diagrammen aufweisen. So sollen zum Beispiel in der Objektorientierung auch Objektdiagramme verwendet werden oder Zustandsübergangsdiagramme um Prozessabläufe darzustellen. Desweiteren werden noch Datenflussmodelle und Aktionsgraphen vorgestellt. Lernziele werden nur exemplarisch und nicht vollständig angegeben. Es wird unter anderem genannt, dass die Schüler:

  • komplexe Sachverhalte überschauen und strukturieren können
  • Problemlösestrategien in unterschiedlichen Stilen beherrschen
  • sich bewusst sein, dass die schnelle Entwicklung von informationsverarbeitenden Techniken nur mit Hilfe übergeordneter Konzepte beherrscht werden kann
  • verschiedene Repräsentationsformen von Informationen interpretieren, beurteilen und vergleich können

Als möglichen Inhalt für den Informatikunterricht nach dem Informationszentrierten Ansatz werden im Text folgende Oberthemen genannt:

  • Informationen und ihre Repräsentation
  • Mathematische Grundlagen der Informatik
  • Modellierungstechniken der Informtik
  • Prozesse
  • Datenstrukturen
  • Repräsentation - Interpretation - Semantik
  • Formale Sprachen - Syntax
  • Netzwerke und Protokolle
  • Aspekte des Datenschutzes

Ablauf einer typischen Unterrichtssequenz

Hubwieser und Broy teilen die typische Unterrichtssequenz in fünf Phasen ein:

  1. Problemgewinnung
  2. informelle Problembeschreibung
  3. formale Modellierung
  4. Realisierung von Lösungsansätzen
  5. Bewertung

Dies orientiert sich wie bereits erwähnt an gängigen Software-Entwurfsmethoden. In der Phase der Realisierung von Lösungsansätzen soll die Implementierung mittels Programmiersprachen eher die Ausnahme als die Regel darstellen. In der Bewertung soll nochmal auf das Projekt zurückgeblickt werden und reflektiert werden wo eine andere und vielleicht auch besser Vorgehensweise möglich gewesen wäre. Ab der formalen Modellierung ist die bevorzugte Sozialform die Gruppenarbeit, was sich ebenfalls aus der Softwarentwicklung entnehmen lässt.

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Diese Seite wurde während des Sommersemesters 2016 im Rahmen eines Seminars an der Universität Paderborn erstellt.