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Der Hardwareorientierte Ansatz (auch als Rechnerorientierung bezeichnet), stellt einen der ersten Ansätze für den Informatikunterricht in Deutschland dar.

Historie und Grundidee

Bereits Ende der 1960er beziehungsweise Anfang der 1970er Jahre gab es erste Ansätze Informatik als Schulfach zu etablieren. Einer der ersten Ansätze, um diesem Fach ein Konzept zu geben, war der Ansatz der Rechnerorientierung. Ihm folgten im Allgemeinen die Algorithmen-, die Anwendungs- und die Benutzerorientierung.

Die Rechnerorientierung möchte sich mit den damals neuartigen "Datenverarbeitungsanlagen" auseinandersetzen und sieht diese als Werkzeug, an die der Mensch geistige Arbeit delegiert. Hierzu wird als Grundlage die Kybernetik zur Hilfe genommen: Sie bezeichnet die Wissenschaft der Kommunikation und Regelung von lebenden Organismen und Maschinen. Eine weitere Grundidee ist die der Objektivierung. Objektivierung bedeutet, dass Funktionen, die der Mensch bis jetzt selber übernommen hat, an Maschinen delegiert werden. In der Rechnerorientierung geht es hierbei vor allem um geistige Funktionen als höchste Stufe der Objektivierung.

Bildungswert und Inhalte

Den Bildungswert des neuen Faches sieht die Rechnerorientierung in seinem allgemeinen Bildungswert: Durch die Kybernetik soll geistige Arbeit analysiert und so objektiviert werden. Außerdem sehen die Begründer es als unabdingbar Grundkenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit den soziotechnisch wichtigsten Kommunikationsmedien in der Schule zu vermitteln. Die Ziele der Rechnerorientierung lassen sich auf fünf Stufen beschreiben:

  1. Philosophische Stufe: Inwieweit und warum ist es möglich geistige Arbeit zu objektivieren?
  2. Algorithmentheoretische Stufe: Herausarbeiten von Algorithmen im Objektivierungsprozess
  3. Ingenieurkybernetische Stufe: Technische Realisierbarkeit von Systemen
  4. Forschunsorganisatorisch-wissenschaftsgeschichtliche Stufe: Veränderung in den Wissenschaftsdisziplinen durch den Rechner
  5. Wirschaftswissenschaftlich-soziologische Stufe: Veränderung der Produktionsverhältnisse durch den Rechner und gesellschaftliche Konsequenzen

Das Fach soll "Rechnerkunde" heißen, da Informatik zu sehr die zweite und dritte Stufe betont.

Die Unterrichtszeit sollte wie folgt aufgeteilt werden:

  • 70% für Aussagenlogik, Schaltalgebra und zu einem geringen Teil technologische Fragestellungen und algorithmische Sprachen
  • 20% für die Erarbeitung von Algorithmen und ihre Darstellung mittels Flussdiagrammen
  • 10% für weiterführende und verallgemeinernde Fragen und Ausblicke, zum Beispiel Grenzen des Rechners

Kritik und Einfluss

In der praktischen Umsetzung der Rechnerorientierung wurde hauptsächlich die dritte Stufe behandelt. Dies hatte zur Folge, dass sich vor allem technisch mit dem Rechner befasst wurde. Somit konnten die ambitionierten Ziele der Rechnerorientierung nicht erreicht werden. Dennoch finden sich auch heute noch Einflüsse der Rechnerorientierung im Informatikunterricht. So etwa in den Inhaltsbereichen Informationen und Daten, Informatiksysteme oder Informatik, Mensch und Gesellschaft in den Bildungsstandards der Gesellschaft für Informatik (GI).

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Diese Seite wurde während des Sommersemesters 2016 im Rahmen eines Seminars an der Universität Paderborn erstellt.