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Idee

Die Idee des Anwendungsbezogenen Ansatzes ist, den Informatikunterricht an praktischen Problemen und ihrem gesellschaftlichen Kontext auszurichten. Vorher wurden etwa im algorithmenorienteren Ansatz sehr theoretische Probleme betrachtet, wie zum Beispiel die effiziente Bestimmung von Primzahlen. Die Lösung von Problemen wurde jedoch mit der Zeit auf den komplexer werdenden Systemen immer öfter von fertiger Anwendungssoftware übernommen. Der anwendungsbezogene Ansatz schlägt vor, lieber exemplarisch praxisnahe Probleme zu Betrachten, wie etwa den Datenschutz in einer Arztpraxis[1]. Auch dabei werden Algorithmen gelehrt, allerdings wird verstärkt auch die gesellschaftliche Bedeutung (etwa von Verschlüsselung) mit einbezogen.

Ziele

Ziel des Anwendungsbezogenen Ansatzes ist, gesellschaftliche Fragestellungen beim Einsatz von Informatiksystemen stärker in den Unterricht einzubinden und dazu auch Lernziele zu formulieren. Dies folgt den Überlegungen von Klafki, die Lernenden zur Bewältigung von "Schlüsselproblemen" (vor allem den Herausforderungen der fortschreitenden Technik) zu befähigen. Dabei sollen algorithmische und soziale Eigenschaften eines Problems gemeinsam modelliert werden. So wie beim Security-by-Design-Prinzip die Software von Anfang an mit Hinblick auf Sicherheit gestaltet wird, behandelt der Unterricht von Anfang an auch die gesellschaftliche Komponente des betrachteten Systems. Dabei wird das betrachtete Informatiksystem als Mittel zum Zweck der Lösung eines komplexen Problems (insbesondere auch mit gesellschaftlicher Komponente) betrachtet.

Phasen des unterrichtsmethodischen Vorgehens

  1. Anwendungsbezogenes Problem
  2. Modellierung des Problems inklusive seiner gesellschaftlichen Aspekte und kritische Bewertung des Modells
  3. Problemlösung im Anwendungszusammenhang, etwa durch vom Kurs erstelltes Programm oder (im benuterorientierten Ansatz) durch reflektierte Nutzung eines Anwendungsprogramms

Unterrichtsinhalte

Im Anwendungsbezogenen Ansatz verfolgte Unterrichtsziele sind Probleme in ihrem gesellschaftlichen Kontext und ihre Lösung durch ein Informatiksystem. Exemplarisch geeigneter Stoff mit diesen Eigenschaften und vor allem mit einer gesellschaftlichen Bedeutung muss von der Lehrkraft, eventuell in Absprache mit den Schülerinnen und Schülern, ausgewählt werden. Dabei wird der zu behandelnde gesellschaftliche Kontext von den Lernenden vorgegeben - er muss einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aufweisen oder dieser Bezug muss zumindest von der Lehrkraft verständlich gemacht werden. Die gesellschaftliche Komponente ist schließlich auch mit diesem Bezug schon schwer überschaubar. Besonders die kritische Bewertung ihrer eigenen Modellierung durch die SuS muss von der Lehrkraft angeregt werden.

Der Benutzerorientierte Ansatz

Während beim Anwendungsbezogenen Ansatz Software als Problemlösung modelliert und auch entwickelt wird, liegt der Fokus beim Benutzerorientierten Ansatz auf der Anwendung von Software. Es wird keine neue Software modelliert und entwickelt, sondern bestehende Software problemorientiert angewandt und analysiert. Der Anwendungsbezogene Ansatz konzentriert sich auf die Anwendung von Informatik, auf Probleme und die gesellschaftlichen Folgen. Dagegen legt der Benutzerorientierte Ansatz den Schwerpunkt auf die angemessene Benutzung und Analyse bereits bestehender Software.

Kritik

In der Praxis scheint der Anwendungsbezogene Ansatz auf den algorithmenorientierten Ansatz zurückzufallen, weil es im praktischen Unterricht schwierig ist, die gesellschaftliche Komponente wie gefordert einzubinden. H.J. Fornek hat empirisch keinen Rückbezug auf gesellschaftliche Fragen während und nach der Implementierung eines Systems im Unterricht beobachtet. Das wird auf die Komplexität dieser gesellschaftlichen Komponente zurückgeführt: Während in der professionellen Softwareentwicklung ganze Teams aus Experten verschiedener Fachrichtungen in Vollzeit an einem Projekt arbeiten, soll nun eine einzelne Lehrkraft mit ihrem Kurs ein ähnlich komplexes Problem lösen. Als Lösungsvorschläge dazu werden das Unterrichten durch ein Team von Lehrkräften oder wenigstens fächerübergreifender Unterricht genannt - beides im Schulbetrieb schwer zu realisieren.

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Diese Seite wurde während des Sommersemesters 2016 im Rahmen eines Seminars an der Universität Paderborn erstellt.

  1. www.emu-online.de/imd2kap24.pdf